Newsletter #2

Begabt, hochbegabt, hohes kognitives Potenzial (HKP) – ja, was denn nun?

 

In der Schweiz ist in der Regel ein Wert von mindestens IQ 130 Bedingung für eine Hochbegabten-Förderung. Dieser Wert ist aber nicht in Stein gemeisselt, auch wenn das leider viele annehmen. Es gibt zum Beispiel Fachpersonen, die eine Hochbegabung ab IQ 125 definieren.

 

Auch zum Vermeiden dieses oft ziemlich absolut angenommenen Grenzwertes von 130 sprechen wir nicht von Hochbegabung (es kommt immer wieder vor, dass ein Schulkind keine Förderung erhält, weil sein IQ ‘nur’ 129 beträgt… Es gehört damit zu den 3 intelligentesten von 100 gleichaltrigen Kindern, anstatt zu den 2.3...).

 

Die schulische Unterforderung beginnt nicht einfach plötzlich bei IQ 130.

 

 

 

Auch unser Wert, die obersten fünf Prozent, d.h. ab IQ 125, ist natürlich etwas willkürlich: Denn auch ein Kind mit IQ 122 kann schulisch stark unterfordert sein.

 

Es ist deshalb sehr wichtig, den Einzelfall zu prüfen. Und eine Förderung nicht allein aufgrund des IQ-Wertes zu bewilligen, sondern eine ausführliche Anamnese vorzunehmen. Und je nachdem einmal auch ‘auf Verdacht’ zu fördern. Dann kann beobachtet werden, ob das Kind im Förderkurs mitkommt, ob es ihm hilft und ob sich die schulische Situation verbessert.

 

 

 

Hohes kognitives Potenzial

 

Wie gesagt geht es um das allgemeine Denken: Uns geht es nicht um das Fördern verschiedener Begabungen (wenn das natürlich auch sehr wichtig ist), sondern um einen wenigstens zeitweise passenderen schulischen Unterricht für hochintelligente Kinder.

 

Kognition ist dabei im Grunde ein anderes Wort für Intelligenz.

 

Eine Definition von Intelligenz:

 

«Intelligenz ist eine sehr allgemeine mentale Fähigkeit, die, unter anderem, die Fähigkeit involviert, logisch zu denken, zu planen, Probleme zu lösen, abstrakt zu denken, komplexe Ideen zu verstehen, schnell zu lernen und aus Erfahrung zu lernen. Es handelt sich dabei nicht bloss um ein Lernen aus Büchern, um eine enge akademische Geschicklichkeit oder um Test-Klugheit. Vielmehr geht es um eine breitere und tiefere Fähigkeit, unsere Umgebung zu begreifen (…).» (Definition der Intelligenz durch 52 amerikanische Psychologen in: Wall Street Journal, Dec.13, 1994, p A18)

 

 

 

David Wechsler, der den HAWIK-Intelligenztest entwickelte (heute WISC genannt) definierte Intelligenz als die «Fähigkeit des Individuums, zweckvoll zu handeln, vernünftig zu denken und sich mit seiner Umgebung wirkungsvoll auseinanderzusetzen.» (zitiert in Franz und Ulrike Petermann (Hrsg. HAWIK-IV, Hamburger-Wechsler Intelligenztest für Kinder, Manual 2008)

 

 

 

Hohes kognitives Potenzial

 

In der Hochbegabten-Literatur gibt es viele unterschiedliche Definitionen zum Begriff der Hochbegabung. Beispielsweise wird mancherorts eine Hochbegabung erst angenommen, wenn eine ausserordentliche Leistung vorhanden ist.  Andernorts gilt als hochbegabt, wer das Potenzial dafür hat, (beispielsweise einen IQ von 130) auch wenn er (noch) keine entsprechende Leistung erbracht hat.

 

 

 

Uns geht es klar um das Potenzial, unabhängig von einer eventuellen Leistung. Ein Potenzial kann vorhanden sein, ohne dass es erkannt wird. Gerade dann ist eine Förderung, eine Unterstützung, besonders wichtig: Ein Potenzial wird nicht sowieso verwirklicht, es braucht dazu die nötige Unterstützung, den Raum, die Zeit dafür.