Das Problem

Haben Kinder und Jugendliche mit hohem kognitiven Potenzial (HKP, ab IQ 125) denn besonders viele Probleme, weil sie so intelligent sind? Nein, Studien haben diese Vorstellung längst entkräftet.
Aber Schülerinnen und Schüler mit HKP haben nicht selten Probleme, dies oft vor allem wegen schulischer Unterforderung. Die schulische Unterforderung ist eine Stresssituation, die leider meist unterschätzt wird. In der Folge kann es  bei diesen Kinder und Jugendlichen zu schwerwiegenden Symptomen kommen. Wir beobachten zum Beispiel psychosomatische Beschwerden, Aufmerksamkeitsprobleme, depressive Verstimmungen (bis zu Suizidalität bereits bei Primarschulkindern), Ängste und Zwänge. Dies beschreiben auch viele Autoren (Silvia Greiten, 2013; Annette Heinbokel, 2011; Joelle Huser, 2000, Aiga Stapf, 2003, James Webb, 2015; Elisabeth Zollinger, 2017; u.a.)

Dass Schülerinnen und Schüler mit HKP schulisch unterfordert sind, ist eigentlich logisch: Wer in seiner kognitiven Entwicklung mehrere Jahre voraus ist, wird im regulären Unterricht kaum die notwendige denkerische Herausforderung bekommen können. Diese Kinder und Jugendlichen erleben dort also ständig eine mehr oder weniger starke Unterforderung. Und dies kann, wie gesagt, zu schwerwiegenden Problemen führen.

Dies wird oft angezweifelt und es wird auf Langzeitstudien verwiesen, welche offenbar zeigen, dass die meisten hochbegabten Kinder sehr gut durch ihre Schulzeit kommen.
In der gerne zitierten amerikanischen Langzeitstudie von Terman (Beginn 1928) wurden die Versuchspersonen aber von den Lehrpersonen nominiert. Es handelte sich dabei um die besten Schülerinnen und Schüler. Erst nach dieser Vorauswahl wurden sie getestet, und diejenigen mit IQ ab 140 wurden in die Studie aufgenommen. Die Gruppe war damit nicht repräsentativ für alle Hochintelligenten. Zudem war den Studienteilnehmern bekannt, dass sie als hochintelligent klassifiziert worden waren, was höchstwahrscheinlich zu einem gesteigerten Selbstvertrauen und in der Folge zu grösserem Lebenserfolg geführt hat.
Die Terman-Studie ist damit methodisch fragwürdig. Sie wird aber dennoch immer wieder verwendet, um zu zeigen, dass Hochbegabte problemloser und erfolgreicher durchs Leben kämen als andere.

Der Marburger-Studie von Rost kann man dagegen methodisch nichts vorwerfen. Hier wurden die Versuchsteilnehmer und -teilnehmerinnen nicht im Voraus von Lehrkräften ausgesucht. Ausserdem war den Schülern nicht bekannt, ob sie zur Hochbegabtengruppe oder zur Kontrollgruppe gehörten.


Die Marburger Studie zeigte, dass ungefähr jedes sechste Schulkind unterdurchschnittliche Schulleistungen erbrachte und damit zu den sogenannten Minderleistern gehörte. Dieses Sechstel kam also definitiv nicht problemlos durch die Schule.
Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die Spitzenleistungen erbrachten, lag ebenfalls bei etwa einem Sechstel. Die verbleibenden zwei Drittel fielen weder durch Minderleistung, noch durch Spitzenleistung auf, erbrachten also durchschnittliche bis leicht überdurchschnittliche Schulleistungen, obwohl sie die für Spitzenleistungen nötige Intelligenz zweifellos hatten. In Anbetracht ihrer hohen kognitiven Fähigkeiten ging hier zumindest sehr viel Potenzial verloren.*

Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, es genüge doch, wenn Kinder und Jugendliche überhaupt durch die Schule kommen – ob mit oder ohne HKP. Es sollte uns aber nicht gleichgültig sein, ob sie dabei ihr Potenzial verwirklichen können, und vor allem, wie sehr sie leiden. Viele Betroffene können sich während langer Zeit anpassen können und irgendwie über die Runden kommen. Aber früher oder später können sie doch in mehr oder weniger schwere Krisen geraten. Manchmal geschieht dies auch erst in der Gymnasiums – oder Lehrzeit.

Wie viele oder wie wenige es genau sind, die wegen mangelnder Förderung leiden, ist nicht dermassen wichtig. Es sind auf jeden Fall zu viele.

Und dies möchten wir mit unserer Initiative ändern.

Die Erfahrung zeigt nämlich: Wenn die schulische Situation verändert wird und die Unterforderung verschwindet, verschwinden damit in der Regel auch die Symptome innerhalb von wenigen Wochen oder gar Tagen. Oft ist eine solche Veränderung allerdings nur mit dem Wechsel an eine passende Privatschule möglich – eine Lösung, die nur wenige Eltern bezahlen können.


*In absoluten Zahlen: falls tatsächlich nur ca. 16 % der Schülerinnen und Schüler mit HKP Probleme durch die schulische Unterforderung haben, so sind dies in der Schweiz immerhin über 7000 Kinder und Jugendliche (16 % von total rund 47‘000 Schülerinnen und Schüler mit HKP).

 

 


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